Sulzbrunner Symposium „radikALTERnativ“


Hier gibt es bald wieder neue Termine.



Wege zu einer neuen Kultur des Alterns

Bei der intensiven Suche nach den ‚enkeltauglichen‘ Lebensformen der Zukunft wird die Situation der aktuellen ‚Großeltern‘ häufig vergessen. Das Bevölkerungs-Drittel 60+ scheint künftigen Generationen den Schlamassel vielmehr eingebrockt zu haben und wird in ihrer kurzen ‚Restlaufzeit‘ gerne ignoriert. Dann aber wiederholt die kultur-kreative Bewegung die Fehler des Mainstreams, die reife Alte ausgrenzt, fähige Älteste übersieht und das riesige Potential der dritten Lebensphase nicht nutzt.

Um es beim bevorstehenden Kulturwandel anders zu machen, will das 3. ‚Sulzbrunner Symposium‘ deshalb einen radikal alternativen Blick auf das Alter werfen und veranstaltet unter dem wortspielenden Titel „radikALTERnativ“ vom 29. April bis zum 3. Mai eine forschende Zusammenkunft von Vor- und NachdenkerInnen über ‚Wege in eine neuen Kultur des Alterns‘.

Im Mittelpunkt des Symposiums in der Öko-Gemeinschaft südlich von Kempten im Allgäu stehen nicht fertige Antworten für die vielen Probleme der alten Menschen in unserem Land. Vielmehr soll gemeinsam in Councils, Workshops und Open Space daran gearbeitet werden, welche politischen und gesellschaftlichen Visionen für moderne Älteste denkbar sind, wie eine menschenrechtliche Versorgung in Heim und Pflege oder gemeinschaftlichen Wohnformen möglich ist, wie Übergänge ins Alter zelebriert werden können, und welche inneren Wege Menschen im Alter einschlagen.

Denn das Herz weiß, was das Hirn noch nicht denkt:

Man stelle sich vor, unsere Gesellschaft würde alle Lebensphasen gleichermaßen schätzen, statt die Jugend zu idealisieren und Alte auszugrenzen. Man stelle sich vor, wir würden Alter, Krankheit und Tod annehmen, nicht leugnen. Man stelle sich vor, dass wir nicht nur immer älter werden, sondern auch bewusst alt sein wollen.

Fraglos ist, dass durch den demographischen Wandel die Zahl der ‚Alten‘ ständig zugenommen hat: Der Anteil der Über-60-Jährigen hat sich in den letzten 60 Jahren verdoppelt, bald ist jeder dritte über 60. Dieses machtvolle gesellschaftliche Drittel aber verschwindet am Rand der Krisengesellschaft, statt sie zu formen: Was wäre, wenn dieser große Teil der Gesellschaft ein positives Selbstbild hätte? Eine eigene Identität, ein Bewusstsein ihrer Bedeutung und Kraft? Und wenn die Weisheit gelebten Lebens kollektiv gewürdigt und aktiv nachgefragt würde?

Was, wenn die Generation, die nun auf das Rentenalter zugeht, unter anderem geprägt vom zivilgesellschaftlichen Widerstandsgeist der 68er Generation und folgender sozialer Bewegungen, aufgeweckt von den Möglichkeiten zur Selbsterfahrung, auf eine besondere Weise reif wäre, ihre tiefe Erfahrung zum Wohl der Gesellschaft weiterzugeben?

Was wäre, wenn wir das Alter nicht als Fluch oder ‚Methusalem-Katastrophe‘, sondern als Segen und generative Aufgabe betrachteten? Wenn wir Altern nicht als „Alt-Last“ begreifen, sondern als Möglichkeit und Auftrag zum Wachstum nach innen? Wenn wir die Endlichkeit nicht länger verdrängen, sondern der Wachstumsgesellschaft vorleben, wie aus der Einsicht in die natürliche Begrenztheit unserer Ressourcen und einem daraus gestaltenden Engagement reife Lebens-Qualität entsteht?

Welche politisch-wirtschaftlich-kulturellen Veränderungen könnten von diesem Drittel der Bevölkerung angestoßen werden, wenn sie bewusst altert? Wenn wir auf die Krisen der Welt mit der neuen Narrenfreiheit als radikale Rebellen des Alters reagieren, beim enkeltauglichen Kulturwandel mitmischen und Stellung beziehen – kühn und laut, oder leise und weise? Wenn sie einer wütenden Jugend gegenüber für unsere Fehler die Verantwortung übernehmen und um Vergebung bitten? Was, wenn der Klimawandel auch die Alten zum Wandel bringt? Die Antworten auf solche Fragen brauchen Zeit und Muße. Die wird bereitgestellt in der Gemeinschaft Sulzbrunn (www.gemeinschaft-sulzbrunn.de), die Anmeldung zum Symposium mit begrenzten Plätzen läuft.

Infos dazu findet ihr unter:

https://www.gemeinschaft-sulzbrunn.de/1899/wir/eine-neue-kultur-des-alterns