Visionssuche


Hier gibt es bald wieder neue Termine.



Allein in der Wildnis auf dem Weg zu sich selbst

Eine 12-tägige Visionssuche für Männer und Frauen, die am Rande des Bayerischen Waldes, unweit von Regensburg beim Naturpark ‚Die Hölle‘ stattfindet. Wer sich im neuen Jahrzehnt eine neue Ausrichtung und Orientierung geben will oder an einer persönlichen Wegscheide steht, ist herzlich eingeladen, sich zu melden.

Visionssuche /Vision Quest

Moderne Übergangs- und Intitiationsriten in der Natur

„Es gibt Zeiten in Deinem Leben, da ist es nötig, alles hinter Dir zu lassen.
Zeit, hinauszugehen und mit Gott alleine zu sein,
mit der Natur und ihren Wesen.
Und an diesem einsamen Platz ist der Held oder die Heldin,
der Suchende oder Pilger
allein mit den Wesen der Natur.
Und an diesem einsamen Ort geht der Mensch auf Innenschau,
erhält wie ein Geschenk Antworten, Klarheit, eine Vision,
die er mit zurücknimmt zu seiner Gemeinschaft,
auf das sie weiter bestehen kann und blüht
und damit das Leben weitergeht.“

(Steven Foster)

Vier Tage und Nächte allein in der Wildnis, fastend und ungeschützt. Nur warme Kleidung, ein Schlafsack als Unterschlupf, eine Plane gegen die Launen der Natur, ein Tagebuch für Notitzen, eine Isomatte zum Schlafen und ausreichend Trinkwasser für den Körper. Die Visionssuche ist ein offener ritueller Raum, die wir mit unseren eigenen Anliegen, Themen, Plänen und Visionen füllen können. Die Zeit des einsamen Fastens wird von drei Tabus beherrscht:

  • keine Nahrung (Ausnahmen bei Gesundheitsgründen sind z.T. möglich)
  • kein Schutz (außer einem ‘Tarp’ oder eine Plane gegen Regen)
  • kein Kontakt (auch kein Handy)

Die Visionssuche ist ein in vielen Kulturen praktiziertes Ritual, mit denen Menschen zu allen Zeiten der Geschichte Krisen bewältigten und Übergänge von einer Lebensphase in eine andere markierten. Die Lebensbedingungen mögen sich in der modernen Welt verändert haben, die Krisen und Übergänge sind die gleichen geblieben: Der Wandel vom Jugendlichen zur erwachsenen Frau und zum erwachsenen Mann, der Eintritt in das Familienleben, die Lebens-Mitte, der Eintritt ins Alter verlangen nach gestalteten Übergängen, Ritualen, Initiation. Wichtige Entscheidungen – seien es Partnerschaft oder Trennung, berufliche Neuorientierung oder Krankheit – verlangen einen Rückzug aus dem Alltagsleben, um innere Klarheit und Stärke für den nächsten Schritt zu gewinnen.

Der Ablauf

Bei der Visionssuche hast Du die Chance, im Spiegel der Natur Dich selbst tief zu erkennen. Du nimmst Dir die Zeit, herauszufinden, wo im Leben Du stehst und welchen Übergang es braucht. Du entscheidest Dich, das Alte hinter Dir zu lassen und gehst alleine durch eine Zeit der Prüfungen, die darin besteht vier Tage und vier Nächte alleine fastend in der Wildnis zu sein. Diese Schwellenzeit ist ein ritueller Raum, in der Du die Strukturen Deines Selbst tief erkennst und einen nahen Kontakt mit Deine Seele kommst. Du kehrst gewandelt und wie neu geboren zurück in die Gemeinschaft. Du kennst Deinen persönlichen Mythos und fühlst Dich bereit, ihn zu leben.

Vorbereitung 4 Tage

  • Klärung der persönlichen Absicht
  • vorbereitende Übungen in der Natur
  • Gestaltung eigener Rituale
  • Einweisung ins Fasten
  • Besprechung der Ängste, Gefahren und Sicherheitshinweise
  • Finden des persönlichen Kraftplatzes
  • zeremonieller Abschied zum einsamen Fasten

Visionssuche 4 Tage

  • Vier Tage und Nächte alleine fastend in der Wildnis. Die Leiter der Visionssuche sind im nahegelegenen Basislager. Sie sorgen für die Sicherheit der Gruppe und unterstützen die Teilnehmer, wo sie es brauchen.

Nachbereitung 4 Tage

  • Rückkehr ins Basislager
  • Fastenende u. zeremonielle Reinigung
  • Erzählen der Erlebnisse und Erfahrungen
  • Widerspiegelung der Geschichte
  • Integration in Alltag und Lebensplan
  • Abschied

An wen wendet sich eine Visionssuche ?

Die Themen, mit denen ein Mensch zur Visionssuche geht, sind so vielfältig wie die individuellen Lebensgeschichten: Krankheit, Heilung, Klärung von Beziehungen, Abschied, Trauer, berufliche Neuorientierung, die Suche nach dem Sinn des eigenen Lebens. Da kann sich ein Jugendlicher für eine Visionssuche entscheiden, um den Abschied von Kindheit und Elternhaus zu vollziehen; ein Mann mag sich dafür entscheiden, um bewusst seine Junggesellenzeit zu beenden und die Rolle eines Ehemanns und Familienvaters anzunehmen; eine Frau will vielleicht ihren Entschluss prüfen, Kinder zu bekommen und Mutter zu werden. Ein Mann wählt die Visionssuche, um nach einer schweren Krankheit seine beruflichen Aufgaben neu zu definieren; ein Mädchen will möglicherweise das Ende ihrer Drogensucht mit dem Ritual bekräftigen, eine andere sich nach Missbrauch oder Vergewaltigung davon befreien, sich als das ewige Opfer einer feindlichen Welt zu fühlen. Ein Mann in den mittleren Jahren mag nach dem Ende einer langjährigen Anstellung neue Perspektiven entwickeln, eine Frau nach der Trennung von ihrem Ehemann oder dem Auszug ihrer Kinder das Gefühl der Leere überwinden und neue Optionen entwickeln. Andere mögen hinaus gehen, um ihre Partnerschaft fürs Leben zu bestätigen oder sich in gegenseitigem Respekt zu trennen und erneut für das Leben zu öffnen. Vielleicht machen sich Menschen nach dem Ende ihrer beruflichen Tätigkeiten auf dem Weg in die Wildnis, um den Eintritt in eine neue Rolle – die der oder des ‚Ältesten‘ zu markieren. Auch der Abschied von Partnern, Freunden oder Eltern, die gestorben sind, kann ein Grund sein.

Immer handelt es sich bei diesen Themen um Wandlung: im Selbstbild, im Status, in der Wahrnehmung. Das schließt einerseits das ganze Spektrum von biologischen Lebensübergängen mit ein: Geburt und Tod, den Übergang von der Pubertät zum Erwachsenensein, Schwangerschaft, der Übergang in die Mutter- oder Vaterschaft, die Wendezeiten in der Lebensmitte, Erkrankungen, den Verlust eines geliebten Menschen, den Übergang ins Alter. Dazu gehören aber auch alle grundlegenden sozialen Änderungen im Leben: Heirat, Trennung und Scheidung, Kündigung, Umzug, Berufswechsel oder geplante Selbstständigkeit, Auszug der Kinder, Pensionierung.

Doch es gibt noch eine Reihe anderer, kaum weniger existentieller Gründe für denn einsamen Rückzug in die Wildnis: Es kann darum gehen, eine Lebensphase, in der man bereits ist, mit eigenem tiefem Sinn zu füllen. Anderen Menschen kann es darum gehen, herauszufinden, wer sie sind: den Mythos und Zweck ihres Lebens zu begreifen. Es kann darum gehen, auf ein tiefsitzendes Gefühl zu antworten, daß einen drängt, jenseits des schönen Scheins der modernen Welt die ursprüngliche Natürlichkeit der Welt hautnah zu erfahren. Es kann um Gottsuche gehen, um den Wunsch nach mystischer Ganzheit oder Verschmelzung mit der Natur; um die Sehnsucht, das Unbeschreibliche und Unaussprechliche zu berühren. Und wenn es vordergründig um die reine Lust an der Herausforderung gehen, die lockt und schreckt, seit man von der Visionssuche gehört hat, dann werden die Leiter der Visionssuche in vorbereitenden Gesprächen so lange nachforschen, bis sie das, was sich wandeln will, erkennen.

Nicht selten gehen Menschen auf Visionssuche, um eine Wandlung zu bestätigen: Wenn die alte Haut nicht mehr passt; wenn sie mit einem Thema ‘schwanger’ gehen und den Durchbruch noch nicht erlebt haben; am Ende einer Therapie, wenn es darum gehen soll, sich wieder in etwas Größeres einzufügen.

Übergänge

Über Jahrtausende lebte der Mensch in enger Verbundenheit mit den natürlichen Bedingungen und Prozessen, verstand sich selbst als Teil der Natur und begriff seinen Lebensweg – Kindheit, Jugend, Erwachsensein und Alter – wie den Kreislauf der Jahreszeiten in der ihn umgebenden Natur. Mit Ritualen und kultischen Handlungen tat er das seine, um an den Zyklen der Natur teilzunehmen und sie nicht zu unterbrechen. Initiationsriten halfen ihm dabei, die einzelnen Phasen seines Lebens zu füllen, abzuschließen und hinter sich zu lassen. Alle traditionellen Kulturen der Welt kannten derartige und meist überraschend ähnliche Übergangsriten (Rites of Passage, rites de passage), mit denen die krisenhaften Schwellen auf dem Lebensweg gemeistert, die traditionellen Erfahrungen weitergegeben wurden, die Kultur erhalten und das Verhältnis zur Natur gepflegt wurde. Man starb symbolisch in der alten Rolle und wurde in die neue Rolle hinein wiedergeboren. Die meisten Übergangsrituale und Initiationen fanden außerhalb der Siedlungen in der Wildnis statt, man war alleine und fastete. In dieser Tradition steht auch die moderne Praxis der Visionssuche.

In der modernen Gesellschaft steht der Mensch – ungeachtet aller technischen Errungenschaften – vor den gleichen existentiellen Krisen und Übergängen wie unsere Ahnen. Die zentralen Wendepunkte seines Lebens sind immer noch der Übergang vom Jugendlichen zum Erwachsenen (vom Junge zum Mann, vom Mädchen zur Frau), die Heirat oder Trennung, die Geburt von Kindern oder der Tod von Freunden und Verwandten, der Übergang zum reifen Erwachsenen in der Lebensmitte (midlife-crisis), der Abschied vom Arbeitsleben, das Ende des Lebens. Doch im Gegensatz zu den traditionellen Kulturen bietet die moderne Zivilisation für diese Übergänge keine Rituale mehr an, die den Übergang von einer Lebensphase in die nächste unterstützen. Während diese Aufgabe traditionell von den Ältesten einer Gemeinschaft übernommen wurde, fehlt es in der modernen Welt an anerkannten älteren Ratgebern und Mentoren. Die politischen und sozialen Folgen dieses Mangels sind allgegenwärtig: Wir erleben eine gesellschaftliche Sinnkrise, suchtartiges Konsumverhalten und wachsende Gewalt in einer insgesamt kindlichen Kultur.

Die moderne Praxis der Visionssuche will dieses Vakuum füllen und bietet – orientiert an alten Vorbildern und ergänzt durch das Wissen der modernen humanistischen Psychologie – rituell gestaltete Übergänge von einer Lebensphase in eine nächste an.

Warum Wildnis ?

„Die zivilisatorische Schicht, die uns von der Wildnis trennt, ist nicht dicker als drei Tage“, sagt der amerikanische Psychologe und Wildnisforscher Robert Greenway. Wer länger in der Wildnis bleibt, träumt anders, denkt anders, nimmt anders wahr. In fast allen Kulturen, die mit Übergangsritualen und Initiationen arbeiteten, fanden diese außerhalb der gewohnten Umgebung, bevorzugt in der Wildnis statt. „Die archaischen Menschen (hatten) noch die Einsicht, dass man seine Welt verlassen mußte, um sie erkennen zu können, daß man nur ‚zahm‘ werden konnte, wenn man zuvor ‚wild‘ gewesen war oder daß man nur dann in der Lage war, im vollen Sinn des Wortes zu leben, wenn man die Bereitschaft gezeigt hatte, zu sterben“, schreibt der Anthropologe Hans Peter Duerr in seinem Klassiker ‚Traumzeit‘: „Um also innerhalb der Ordnung leben zu können, musste man in der Wildnis verweilt haben, man konnte nur wissen, was drinnen bedeutete, wenn man draußen gewesen war.”

Für den Teilnehmer einer Visionssuche kommt es darauf an, die Anbindung an die Zivilisation für vier Tage hinter sich zu lassen. Nur wenn man sich von seiner gewohnten Umgebung trennt, wenn man nicht durch gewohnheitsmäßiges Handeln abgelenkt wird, entsteht der Raum für neue Wahrnehmungen, für eine neue Aufmerksamkeit. Unbekannte Landschaften schaffen Raum für ein neues Sich-Erleben und –Erfahren. Die Unsicherheiten und Ängste in der Konfrontation mit der Wildnis haben die Kraft, wie ein Katalysator uns mit den unbekannten und hemmenden Elementen unserer Psyche zu konfrontieren, die uns an der Entfaltung unserer Potenziale hindern. Kein Dach über dem Kopf zu haben, bedeutet, einen wesentlichen Eckpfeiler dessen, was Zivilisation seit etwa 10.000 Jahren ausmacht hinter sich zu lassen und an die Erfahrungen unserer Vorfahren anzuknüpfen.

Die menschliche Psyche und ihr innerster Kern – die ‚Seele‘ – haben sich in den Jahrmillionen unserer Menschwerdung evolutionär im engen Austausch mit der natürlichen Welt entwickelt – dem, was wir heute ‚Wildnis‘ nennen. Diese ungetrennte Anbindung an die natürliche Mitwelt ist älter als unsere Sprache, älter als das rational-analytische Denken, Älter als Definitionen und Begriffe. Die Seele spricht nicht ‚Hochdeutsch‘, sie spricht ‚Wildnis‘ – sie ist vorsprachlich und äußert sich in Gefühlen und Metaphern, Symbolen und Träumen. Kehren wir in die Wildnis zurück, betreten wir quasi die Heimat der Seele. Die innere Seelen-Landschaft spiegelt sich in der äußeren wilden Natur. Über diesen stillen Dialog zwischen der Seele und dem Land erfahren wir viel über unsere innere ‚wilde Weisheit‘ – wir erkennen unsere innere Landschaft, die uns in der zivilisierten Welt oft unerkannt bleibt.

Unsere gesamte moderne Kultur beruht auf einer Ausgrenzung der Wildnis und der Verdrängung ‚wilder‘ Anteile in unserer eigenen Natur. Gleichzeitig ist eine wachsende Sehnsucht nach Erfahrungen mit einer ursprünglichen Natur zu beobachten, die in vielen Traditionen als existenzielle Herausforderung, als ‚reine Schöpfung‘ oder ‚heiliger Raum‘ verstanden wurde.

Die Erfahrung, allein in der Wildnis zu sein, eröffnet bei den meisten Teilnehmern an Visionssuchen einen intensiven Bezug zur Natur, neue Wahrnehmungsformen, eine tiefe Kommunikation mit der natürlichen Welt und ein neues Verhältnis zur Natur des eigenen Körpers.

Rituale

Die Visionssuche entfaltet ihre Wirkung als Ritual. Nachdem Rituale in den vergangenen Jahrzehnten eher mit Misstrauen betrachtet und abgelehnt wurden, werden sie heute als soziales und psychologisches Werkzeug wiederentdeckt und in der Pädagogik, in menschlichen Wachstumsprozessen, in der therapeutischen Arbeit, in der Kommunikation und bei Konfliktregelungen wiederentdeckt.

In Ritualen wird in der Regel durch bestimmte Handlungen und Zeremonien ein besonderer Erlebnisraum geschaffen, der mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt werden kann. Ein Ritual trennt den Menschen von seinem gewohnten Alltag mit seinen Zwängen und Begrenzungen. Dadurch wird das Ritual zu einer Art ‚Auszeit‘, die es möglich macht, Kontakt zu den innersten Bedürfnissen herzustellen und die Chancen neuer Lebensphasen zu erkennen und zu ergreifen. In einem geschützten und klar begrenzten ‚rituellen Raum‘ herrschen besondere Regeln. Hier kann gesagt, erfahren, getan und erprobt werden, was im Alltag keinen Platz hat oder sanktioniert ist, hier kann man sich seinen inneren Bildern und Emotionen stellen, hier können Grenzen gesprengt und neue Räume erschlossen werden.

Als sicherer Rahmen für eine psychische Grenzüberschreitung müssen Rituale in ihrer Grundstruktur verlässlich sein. Doch in der konkreten Handlung ist jedes Ritual einzigartig, weil es mit einem individuellen Anliegen gefüllt wird. Der afrikanische Heiler Malidoma Some weisst darauf hin, das „ein Ritual immer dann erforderlich wird, wenn die Seele uns etwas sagen will, was der Körper als eine psychische Not, einen Mangel, ein Bedürfnis übersetzt: Wir treten also in ein Ritual ein, um auf den Ruf der Seele zu antworten“. Ein Ritual hat immer einen bewusst gestalteten Beginn und ein bewusst gestaltetes Ende.

Der Kern des Rituals der Visionssuche besteht in dem bewussten Heraustreten aus dem gewohnten Alltag und den Übertritt in eine Schwellenwelt, in der der Teilnehmer mit sich und der Natur alleine ist, sich mit seinem Leben kreativ auseinandersetzt, eigene Zeremonien entwickelt, um den Wandel, den er vollziehen will, zu bestärken und dann bewusst in seine Alltagswelt zurückkehrt.

Mit dem Ritual wird eine Struktur für den Wandel angeboten: „Die Visionssuche ist nichts als ein Kreis, der in den Staub gezogen wird, eine leere Form, die dann mit den Wahrnehmungen und Werten des Kandidaten gefüllt wird“, sagt Steven Foster. „Sie ist ein Spiegel, in dem man sich selbst entdecken kann.“

Geschichte der Visionssuche

Das Wort Visionssuche, im Englischen ‘Vision Quest’ kommt vom lateinischen ‘videre’ = ‘sehen, schauen, erkennen’, von dem Wort ‘visio’ = ‘das Gesicht’ und von ‘quaerere’ = ‘suchen, erkennen’. ‘Quest’, das war im europäischen Mittelalter der Name für eine suchende Wanderschaft oder Wallfahrt ins Unbekannte, auch eine ‘heilige Suche’ werdender Ritter nach spiritueller Einsicht.

Die moderne Form der Visionssuche / Vision Quest geht allerdings zurück auf die entsprechenden Traditionen der nordamerikanischen Prärieindianer, insbesondere der Lakota-Sioux. Sie haben – ähnlich wie die australischen Aborigenees – diese uralte Tradition der Selbstsuche in der Natur bis in die heutige Zeit erhalten. Bei den Lakota heißt die Visionssuche ‘Hanblecheya’ und wird als das ‘Flehen um ein Gesicht’ übersetzt. Es wird in den ‘Grait Plains’ des amerikanischen Südwestens bis heute praktiziert und besteht in der Regel aus einem mehrtägigen einsamen Fasten (zum Teil auch ohne Wasser).

Die Tatsache, dass die christlichen Missionare diese kulturelle Praxis, die sie bei den indigenen Völkern Amerikas vorfanden, ‘Vision Quest’ nannten, verweist darauf, dass sie dadurch an eigene Traditionen in der europäischen Geschichte erinnert wurden. Tatsächlich machen historische Forschungen deutlich, dass es sich bei dem einsamen Fasten in der Wildnis nicht um ein indianisches Ritual handelt. Vielmehr wurde diese Praxis auf der ganzen Welt in Zeiten des Übergangs genutzt. Auch im europäischen Kulturraum gibt es zahlreiche Hinweise auf entsprechende Traditionen. Das beginnt mit den Legenden um den germanischen Gott Odin, setzt sich fort in den griechischen und römischen Mythen, und führt über die frühchristlichen Traditionen des einsamen Fastens der biblischen ‘Wüstenväter’ bis in die Gralssuche des Mittelalters. Zudem verweisen die allermeisten Märchen, bei denen es sich in der Regel um uralte mündlich überlieferte Legenden aus der Frühzeit handelt, auf eine verbreitete Praxis von Übergangsritualen. Immer geht es in den Märchen darum, dass Menschen ihre gewohnte Welt verlassen, allein in den dunklen Wald gehen, sich dort unbekannten Gefahren, inneren Dämonen oder (über)natürlichen Herausforderungen stellen, diese mit reinem Herzen bewältigen und gewandelt und in neuer sozialer Rolle in ihre Gemeinschaften zurückkehren.

In diesem Kontext wird deutlich, dass es sich bei der Visionssuche nicht um die Übernahme eines ‘exotischen’ Rituals handelt, sondern um die moderne Anknüpfung an einen der ältesten Heilungs- und Übergangsprozesse unserer Vorfahren.

Kernfragen

Jeder Teilnehmer einer Visionssuche geht mit einem einzigartigen Thema zum Fasten in die Wildnis, das aus seiner persönlichen Lebenssituation entstanden ist. Und doch dreht sich die Visionssuche in der Regel immer wieder um die gleichen grundlegenden Kernfragen menschlicher Existenz.

  • Du willst eine persönliche Krise meistern und beenden…
  • Du möchtest Dein Wachstum in eine neue Richtung wenden…
  • Du spürst eine Veränderung, weißt aber noch nicht wohin…
  • Du möchtest wichtige Entscheidungen fällen und kundtun…
  • Dein Leben fühlt sich zur Zeit gut an und Du möchstest es feiern…
  • Du stehst an der Schwelle zu einer neuen Lebensphase…
  • Du willst eine Trennung oder Scheidung besiegeln…
  • Du willst eine neue Beziehung beginnen…
  • Du möchtest Deinen Ängsten begegnen und sie in Kraft verwandeln….
  • Du möchtest Dich mit etwas vergangenem Aussöhnen…
  • Du möchtest Zeit haben zu trauern und Dich zu verabschieden…
  • Du möchtest Abhängigkeiten und einschränkende Muster zurücklassen…
  • Du möchtest mehr Vertrauen in Dich entwickeln und Dich wertschätzen…
  • Du möchtest dem Ursprung Deines Lebens auf den Grund gehen…
  • Du möchtest Deinen Platz im Leben finden…
  • Du willst mehr Klarheit und Harmonie in Dein Leben bringen…
  • Du stehst vor einer wichtigen Entscheidung und weißt noch nicht, wie Du

dich entscheiden sollst

  • Du hast Dich entschieden, Dein Leben selbst in die Hand zu nehmen…
  • Du willst Dich einer Herausforderung stellen und sie bewältigen…
  • Du willst die Welt mit neuen Augen sehen…
  • Du möchtest Dich von Deinem Elternhaus lösen…
  • Du willst Deinen Beitrag für die Welt erkennen… [1]

Während der Vorbereitungszeit kristallisieren sich meist folgende Schwerpunkte heraus:

  • eine Rückbindung an die Natur
  • der Übergang in eine neue Lebensphase
  • die Auseinandersetzung mit Selbszbild als Mann oder Frau
  • die Auseinandersetzung mit den Grundragen von Leben und Tod
  • die Beschäftigung mit der ganz eigenen Spiritualität
  • die Suche nach neuen Perspektiven in Partnerschaft, Beruf und

Lebensplanung.

Ausrüstung

Die jeweilige Zusammenstellung der Ausrüstung für eine Visionssuche ist abhängig von ihrem Zeitpunkt, dem Ort (Wüste, Berge, Wälder) und den individuellen Bedürfnissen. Diese Liste kann auch als Orientierung für andere Wildnis-Seminare von frei.verbunden.sein genutzt werden.

Ausrüstungsliste

Rucksack

Schlafsack (auch für Minustemperaturen)

Isomatte als Unterlage

Zeltunterlage od. Zeltplane (Tarp), 3x4m (Schutz vor Sonne, Regen…)

Schnur, etwa wäscheleinendick, ca. 30 m

Taschenmesser

Sturmstreichhölzer (Wasserdicht verpackt)

Kleine Kerze (zum Feuermachen)

Trillerpfeife

Großes Mehrzwecktuch (als Kopftuch, Umhang, Bandage usw.)

4 Wasserbehälter für je 4 l Wasser plus eine 2l Feldflasche

Kleidung für warmes Wetter:

Shorts

Sonnenhut

Warmer Wollpullover/ Jacke, Wollmütze für nachts

Etwas zum Wechseln

Stiefel /feste Schuhe

Trinkbecher aus Metall (feuerfest)

Löffel

Toilettenpapier (umweltfreundlich)

Lippenschutz, Sonnenschutzcreme

Zwei große Plastiksäcke (für Müll u. als Regenschutz)

Tagebuch, Stifte

Tagesrucksack

Regenhaut

Kleidung für kaltes Wetter:

Wollmütze, Fausthandschuhe

Warme Jacke

Dicke Wollsocken (und Ersatzpaar)

Lange warme Unterwäsche

Kleidung zum Wechseln (bleibt im Basislager)

Traubenzucker oder Tubenhonig für Notfälle

Notgepäck

Dies beinhaltet alle Dinge, die im Tagesrucksack während der gesamten Zeit in der Wildnis mitgeführt werden sollen:

Checkliste für erste Hilfe

Erste-Hilfe Utensilien (Pflaster, Binde, Pinzette, Kompressen, Rescue-Tropfen etc.)

Großes Mehrzwecktuch

Kleine Kerze

Feldflasche mit 2 l Wasser

Traubenzucker (zur raschen Energiezufuhr in Notfällen)

Wollmütze, Jacke

Trillerpfeife

Extras (falls erwünscht)

Musikinstrument

Insektenschutz

Sonnenbrille

Nadel und Faden

Feuchtigkeitstücher

Taschenlampe

Kompass

Zahnseide

Elektrolyte

Anmerkungen zur Ausrüstung:

Rucksack: Er sollte gut sitzen und unbedingt vorher ausprobiert sein. Die schweren Sachen werden am besten nach oben gepackt. Idealgewicht für

den Marsch durchs Gelände 15 kg oder weniger.

Zeltplane/Plastikplane/Tarp: Aus möglichst dünnem aber reißfesten Material, z. B. Polyester. 3x4m ist eine gute Größe. Sie kann als Unterlage benutzt oder zum Schutz gegen Sonne, Regen oder Wind aufgespannt werden. Segeltuch ist sehr schwer, billige Plastikplanen können durch ständiges Knattern im Wind sehr auf die Nerven gehen. Es gibt auch Planen, die außen mit einer reflektierenden Schicht überzogen sind, die speziell für die Wüste geeignet, allerdings sehr teuer sind.

Schlafsack: Er ist während der Tage in der Wildnis dein Unterschlupf. Daunensäcke sind leicht und warm, müssen aber unbedingt vor Nässe geschützt werden. Dafür eventuell einen Bivaksack oder eine zusätzliche große Plastiktüte mitnehmen. Synthetikfasern trocknen schnell, sind aber meist etwas schwerer oder sehr teuer bei gleichem Schutz. Die Wärmekraft deines Schlafsacks muß Jahreszeit, Höhe und Orts deines Questplatzes angepasst sein. Bedenke, daß du während des Fastens auch noch schneller frierst. Auch wenn du keinen ganz optimalen Schlafsack hast, kannst du durch Einziehen eines dünnen und sehr leichten Seidenschlafsacks zusätzliche Wärmegrade gewinnen.

Isomatte /Unterlage: Es gibt sich selbst aufblasende Liegematten, die auf sehr kleinen Raum zusammengerollt werden können und die gut isolieren. Aber auch die einfachen Schaumstoffmatten können ausreichen. Letztlich hängt auch hier die Entscheidung vom Gelände, Gewicht, Geldbeutel und nicht zuletzt deinem Rücken ab.

Feldflasche: Bei allen Ausflügen muß die 2 Liter Feldflasche voll Wasser im Tagesrucksack mit genommen werden. Die Flasche sollte unzerbrechlich sein.

Mehrzwecktuch: Ein Baumwolltuch mindestens 1m auf 1m als Schutz vor Sonne, Wind, Staub und Kälte, als Lappen, Schwamm, Bandage, Armschlinge, Kompresse, Handtuch, Flagge oder Orientierungshilfe.

Stiefel: Sie sollen bequem, gut eingelaufen und fest sein. Knöchelhohe Trekkingschuhe sind ideal in steinigem, felsigem Gelände auch zum Schutz gegen Dornen.

Wollpullover, Wollmütze, Socken, Handschuhe: Wolle hält auch in nassem Zustand noch warm und trocknet schnell. Gerade im Gebirge, aber auch in der Wüste kann es zu schnellen Temperaturstürzen kommen . Die Wollmütze sollte deshalb immer im Tagesrucksack dabei sein. Nachts oder bei ununterbrochenen Wind ist sie auch im Sommer sehr nützlich. Zwei Paar Wollsocken (dünn und dick) übereinandergezogen, schützen vor Blasen.

Kleidung: Wichtig ist eine wind- und regendichte Jacke. Sehr bewährt haben sich auch Faserpelze zum darunter Ziehen, weil sie sehr leicht, warm und weich sind und im Notfall sehr schnell trocknen. Als Multitalent erweist sich die lange „Funktionsunterwäsche“ aus Kunstfaser; dünn, leicht, gut wärmend und atmungsaktiv. Ein guter Ersatz für einen warmen Schlafanzug.

Drogen, Medikamente: Drogen sind untersagt. Wenn ein regelmäßig verordnetes Medikament genommen werden muß, sollte mit dem Arzt die Anwendung während des Fasten und Alleinseins besprochen werden. Die Leitung der Visionsuche muß darüber unbedingt informiert werden.

 

Literatur zum Thema

Sylvia Koch-Weser & Geseko v. Lüpke:

Vision Quest. Visionssuche: allein in

der Wildnis auf dem Weg zu sich selbst,

Oya-Verlag, München 2018,

 

Steven Foster & Meredith Litle:

Die vier Schilde. Initiationen durch die

Jahreszeiten der menschlichen Natur,

Arun-Verlag, Engerda 2000, 367 Seiten,

 

Einen sensiblen und tiefen Einblick in die Arbeit mit Jugendlichen gibt die DVD:

School of Lost Borders:

Erwachsenwerden in der Wildnis.

Visionssuchen mit Jugendlichen,

englisch mit deutschen Untertiteln

 

Weitere ausgewählte Literaturhinweise:

Anderson, William: Der grüne Mann. Ein Archetyp der Erdverbundenheit, Walter-Verlag, Düsseldorf 1993

Arnold, Patrick M.: Männliche Spiritualität. Der Weg zur Stärke, Kösel-Verlag, München1991

Bly, Robert: Eisenhans. Ein Buch über Männer, München 1991

Brown, Tom (Jr.): Das Vermächtnis der Wildnis, Ansata, Interlaken 1992 (amerikanischer Titel: The Quest)

Campbell, Joseph: Der Heros in tausend Gestalten, Suhrkamp Frankfurt 1996

Dahlke, Rüdiger: Lebenskrisen als Entwicklungschancen. Zeiten des Umbruchs und ihre Krankheitsbilder, Bertelsmann, München 1995

Duerr, Hans-Peter: Traumzeit, Über die Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation, Frankfurt, 1978

Estes, Clarissa Pinkola: Die Wolfsfrau. Die Kraft der weiblichen Urinstinkte, Heyne, München 1993

Foster, Steven & Meredith Little: Vision Quest. Personal Transformation in the Wilderness, Fireside Books, New York, 1992

Gottwald, Franz-Theo u. Andrea Klepsch: Tiefenökologie. Wie wir in Zukunft leben wollen. Diederichs, München 1995

Hyemeyohsts Storm, Sieben Pfeile, Indianische Initiation in unserer Zeit, Heyne, München 1997

Kalweit, Holger: Die Welt der Schamanen. Traumzeit und innerer Raum, Scherz-Verlag, München, Bern, Wien 2000

Macy, Joanna: Die Wiederentdeckung der sinnlichen Erde. Wege zum ökologischen Selbst, Theseus-Verlag München 1994

Mahdi Luise (Hrsg.): Crossroads. The Quest for Contemporary Rites of Passage, Open Court Verlag, Chicago 1996

Metzner, Ralph: Das mystische Grün. Die Wiedervereinigung des Heiligen mit dem Natürlichen, Arun-Verlag, Engerda 2000

Politische Ökologie (Hrsg.): Wa(h)re Wildnis, Schwerpunktheft der Zeitschrift: Politische Ökologie, Ausg. 4/99, München

Roszak, Theodore: Öko-Psychologie. Der entwurzelte Mensch und der Ruf der Erde, Kreuz-Verlag, Stuttgart 1994

Sauer-Sachtleben, Monika: Kooperation mit der Evolution. Das kreative Zusammenspiel von Mensch und Kosmos, Diederichs New Science, München 1999

Sheldrake, Rupert: Die Wiedergeburt der Natur: Wissenschaftliche Grundlagen eines neuen Verständnisses der Lebendigkeit und Heiligkeit der Natur, Scherz-Verlag 1991

Snyder, Gary: Practice of the Wild, North Point Press San Francisco 1990

Some, Malidoma Patrice: Die Kraft des Rituals. Afrikanische Traditionen für die westliche Welt. Diederichs Gelbe Reihe, München 2000

Sun Bear and Wabun: Das Medizinrad. Eine Astrologie der Erde, Trikont, München 1984

[1]     zusammengestellt aus denn Ausschreibungen verschiedener Anbieter

Weitere Infos gibt es unter https://www.visionssuche.net/angebote/geseko-v-luepke-gabriele-kaupp-2020-06-24